ALLE THEMEN SIND ALS VORTRAG MIT DISKUSSION SOWIE ALS WORKSHOP bzw. SEMINAR DENKBAR:

- FUßBALL(FANS) ZWISCHEN MACHT, HERRSCHAFT & DISKRIMINIERUNG:
Dieser Abend fängt dort an, wo viele Fallbeschreibungen zu Diskriminierung im Fußball aufhören. Und bleibt dabei vor allem kurzweilig.
Gerd Dembowski begreift Fußball u.a. als ein gesellschaftliches Trainingsfeld für soziale Konstruktionen und Machttechniken – als “Deep Play” (Clifford Geertz). Heterosexismus und Homophobie, Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus sind einige extreme Ausformungen, wenn es um „Wir“ und „Die Anderen geht“. Dahinter stehen althergebrachte Muster von Männlichkeit, Überlegenheitsdenken und Autoritarismus.
Während sich das „Wir“ und „Die Anderen“ im Fußball nicht auflösen lässt, kommt es darauf, Fußball als Freiraum für Jugendkulturen u.a. sozial inklusiv zu füllen.
Diskriminierungen sind sozial konstruierte Techniken zur Etablierung und Modernisierung von gesellschaftlichen Machtfeldern und ihren Akteur_innen. Im Fußball erscheinen sie wie unter einem Brennglas. Im Fußball offenbaren sich Konstellationen von ‘Wir’ und ‘Die Anderen’ offensichtlich feindselig und abwertend, zumindest symbolisch. Hier wird Herrschaft eingeübt und sich ihrer rückversichert. Andererseits kann Fußball in günstigen Fällen ein förderliches Feld sozialer Inklusion und Antidiskriminierung bedeuten.
Darüber hinaus liefert der Fußball ein historisch gewachsenes Ventil, in dem der kleine Hass des Alltags abgelassen werden. Im Fußball wird immer wieder die Hoffnung von Fans nach einer Kompensation des Alltags, nach einer Ersatzfreiheit enttäuscht. Die Veranstaltung versucht zu umkreisen, wie Fußball des Weiteren als Kitt und Stabilisationsfaktor einer Gesellschaft funktioniert.
Um das zu verstehen, beschäftigt sich der Vortrag mit diesem vielfältigen Feld der Ambivalenzen. Einerseits sollen notwendige Faktoren zur positiven Ausdeutung des sozialen Feldes Fußball benannt werden. Andererseits sollen z.B. die Ausprägungen von hegemonialer Männlichkeit, sozialdarwinistischem Überlegenheitsdenken und Autoritarismus als Bodensatz für Abwertung und Diskriminierung nachvollzogen werden.

- SOZIAL KONSTRUIERTE MÄNNLICHKEITEN, SEXISMUS & HOMOPHOBIE IM FUßBALL:
Gerd Dembowski zeichnet die Entwicklung von Homophobie und die Reaktion der fußballorientierten Öffentlichkeit darauf seit den 1990ern nach. Er ordnet ein, wie Homophobie als extreme Technik “hegemonialer Männlichkeit” (Raewyn Connell) im Fußball funktioniert. Bröckelt das Fußball-Tabu Homosexualität oder erleben wir nur eine Modernisierung von heterosexueller Maskulinität?

- MIGRATION & SOZIALE INKLUSION IM FUßBALL. WAS HEIßT “INTEGRATION” IM GESCHICHTLICHEN VERLAUF?:
Ob Özil und Khedira: Das Gesicht der deutschen Männer-Nationalelf hat sich in den letzten Jahren erheblich verändert. Ist Fußball ein Vorbild für so etwas wie gelebte soziale Inklusion oder funktioniert das nur, solange die deutschen Stars mit Migrationshintergrund gut spielen? Und wie sieht das im Amateurfußball aus? Dembowski gibt vor allem einen Einblick in die Kluft zwischen der ‘Top-Elf’ des deutschen Fußballs und migrantischer Selbstorganisation im Amateurfußball, in Vorurteile und Konflikte, die sich darum ranken.
Wie gehen Fußballfans und wie geht der Deutsche Fußball-Verband mit den Anforderungen einer Gesellschaft im ständigen Wandel um? Der Vortrag beleuchtet darüber hinaus den diesbezüglichen Wandel der Bundesliga sowie die kosmopolitischen Wurzeln des Fußballs auf dem europäischen Kontinent. Auszugsweise liest er aus seinem mit Diethelm Blecking zusammen herausgegebenen Buch „Der Ball ist bunt. Fußball, Migration und die Vielfalt der Identitäten in Deutschland“, z.B. aus Interviews mit Mirko Slomka, Halil Altıntop und Patrick Owomoyela.

- ULTRAS ZWISCHEN INDIVIDUALITÄT UND GEMEINSCHAFT, ALS SELBSTDEFINIERTE ZONE IN EINER KULTUR ALS KOMMERZ:
Die Bundesligen boomen. Eng verknüpft damit wirkt das Bedürfnis von Fußballfans nach Identifikation mit einem Stammverein, der identifikatorische Momente einzubüßen scheint.
Hierbei können insbesondere die sich als Ultras bezeichnenden Fans inzwischen als Gradmesser für den gegenwärtigen Entwicklungsprozess von Zuschauerzusammensetzungen im (Profi-)Fußball und ihren Ausdrucksweisen betrachtet werden. Ihr expressiver Wunsch nach Identifikation, der gruppeninszenierende Aufgang in der Masse und das damit verknüpfte Emotionserleben sind zentrale Antriebsmittel.
Während im öffentlichen Fokus vorrangig ein Gewaltpotential und Pyrotechnik oder gar Diskriminierung steht und schnell vermischt wird, wenn es um Ultras geht, bieten Ultras auch einen Freiraum zur weiterführenden Sozialisation und Einübung von demokratischen Umgangsweisen an. Es wird sich nicht nur fanpolitisch engagiert, auch fragile Antirassismushaltungen und gesellschaftspolitisches Engagement und Wohltätigkeit fallen auf.
Wie funktioniert ein solches Identitätsdenken, wenn die identitätsstiftenden Merkmale von Fußballvereinen sich im Verlaufe ihrer historischen und kommerziellen Entwicklung ausgehöhlt haben? Wie definieren Fans ‘Verein’, wenn nicht nur Trainer stets wechseln, sondern auch Vereinsfarben und Stadionnamen sich laufend ändern können?>br>

- FANKULTUREN IM FUßBALL ZWISCHEN PANIKMACHE, SOZIALER ARBEIT, POLIZEILICHEN MAßNAHMEN & NOTWENDIGER KONFLIKTSCHLICHTUNG:
Fankulturen befinden sich in ständiger Veränderung. Auch die öffentliche Wahrnehmung von Sicherheit kann sich verändern. Dies kann unterschiedliche Moralpaniken befördern, die zu einer hysterisierten Diskussion um Gewaltförmigkeit in Fankulturen, um polizeiliche Maßnahmen, um potentielle Gefahren führen. Häufig ist dann medial von einer „neuen Qualität“ oder einer “neuen Dimension“ der Gewalt die Rede, von Ultras als „tickende Zeitbombe“.
Zuständige Institutionen und Hardliner schaukeln sich gegenseitig hoch – angemessene Besonnenheit und Versachlichung anhand von Zahlen und Fakten ist rar.
Der Vortrag behandelt wie Fankulturen sich im Zuge der Kommerzialisierung und Feuilletonisierung des Fußballs in den letzten 20 Jahren verändert haben. Wie ticken Fans- und Ultrakulturen zwischen jugend(sub)kulturellem Aufbegehren, Provokation und Gewaltförmigkeit einerseits, aber auch zwischen individueller Gemeinschaft, Selbstregulation und dem Erlernen von demokratischen Prinzipien andererseits?

- FUßBALL(fans) ZWISCHEN GEWALT UND PRÄVENTION

- PROFESSIONALISIERUNG, KOMMERZIALISIERUNG UND EVENTISIERUNG IM FUßBALL

- ZUR HISTORISCHEN ENTWICKLUNG DES FUßBALLS ALS HEGEMONIALE SPORTART & SEINEN KOSMOPOLITISCHEN WURZELN

- NATIONALISMUS, PATRIOTISMUS IM FUßBALL ALS GESELLSCHAFTKITT:
Wenn es um eine Fußball-Europameisterschaft oder WM geht, ist schnell die Rede vom neuen Gesicht der deutschen Elf um Özil und Khedira. Dann ist diffus die Rede vom ungefährlichen „Partyotismus“. Gerd Dembowski stellt vor, wie sich die Rezeption und Anwendung von Nationalismus im weichen Gewand beispielhaft entwickelt hat. Und wie nah er bei seiner aggressiven Variante liegen kann.

- RASSISMUS, ANTISEMITISMUS UND ANTIZIGANISMUS IM FUßBALL:
oder: NEONAZISMUS UND SEINE ANKNÜFUNGSPUNKTE FÜR EINEN EXTREMISMUS DER MITTE IM FUßBALL”
Hier geht es explizit um die Entwicklung vom Rassismen im Fußball und vor allem in seinen Fanszenen seit den 1980er Jahren.

- ANTIDISKRIMINIERUNGSMAßNAHMEN IM FUßBALL. WAS KÖNNEN FANS & VEREINE TUN?:
Besonders Fußballfans und die sozialpädagogoschen Fanprojekte waren und sind es, die über Selbstregulierung und lokale Umsetzung für (symbolpolitische) Maßnahmen bei den Vereinen sorgen. Auch NGOs bzw. nicht us dem fußball kommende Projekte und Institutionen scheinen sich ebenso zunehmends für Antidiskriminierung im Fußball zu interessieren. Mit der Ära des DFB-Präsidenten Zwanziger zwischen 2006 und 2012 ist dann viel Schwung in die Debatte gekommen. Wie verorten sich nun die Vereine, der DFB und die DFL zwischen präventiven und ordnungspolitischen bzw. strafenden Mitteln? Wo liegen Chancen und wieviel bleibt nach der Ära Zwanziger, wenn es darum geht, die Ansätze lokal umzusetzen? Was können Vereine wie tun?

- FUßBALL VS. RIOT-FOLK (szenische LESUNG mit Gesang & Kinderspielzeugeinlagen):
Gerd Dembowski aus Berlin und Hannover liest nicht nur Fortschreibungen seines Buches „Fußball vs. Countrymusik“, das 2007 zum Fußballbuch des Jahres nominiert wurde. Das könnte ja jeder.
Berüchtigt puzzelt er seine Texte in ein liebevoll geordnetes Chaos aus Kinderinstrumenten und Gesang. Dabei packt er zusammen, was nicht zusammen gehört: Fußball und Riot-Folk.
Sein Auftritt wird besonders bestimmt von Kurzgeschichten aus seinem nur schwer zu bekommendes Litzine „Ground Scores. Rage & Blamage“ über seine Reise durch die USA und seine Kolumnen für das „Transparent“-Magazin. Fußball und (Riot-)Folk bedeuten für Gerd Dembowski Verzweiflung und Trotz, Reisen und Flucht. Dembowski berichtet von einer absurden Begegnung mit dem FBI, wie er einmal einen Fabrikbrand in der Geisterstadt Cairo, Illinois verhinderte und nach einem Sprung von einem Frachtzug beinahe an einem leeren Wasserturm verdurstete. Was das alles mit Fußball zu tun hat? Lassen sie sich überraschen.
Entwaffnende Kurzgeschichten und amüsant-politische Satire, die mit schonungslos persönlichen Eingängen immer den weg in ein ‘großes’ gesellschaftliches Thema weisen. Antitainment vom Feinsten.
Hören Sie infame Verleumdungen und herzvolle Liebeserklärungen – ein literarischer Drahtseilakt zwischen FIFA-Kongress und besetztem Haus. So wurden Sie noch nie belesen. Erscheinen Sie deshalb möglichst zahlreich, am besten manisch.

Alle Themen sind im internationalen Vergleich denkbar.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>