Monthly Archives: Oktober 2014

bin mal weg

bin mal weg

Liebe Kolleg*innen, Wegbegleiter*innen und auf Wegen Begleitete, Freund*innen,

wie viele unter euch bereits wissen: plötzlich ändert sich etwas bei mir. Vermutlich lässt sich vieles in den nachfolgenden Zeilen aber noch gar nicht so genau ausdrücken…

Mit der Kompetenzgruppe Fankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit (KoFaS) am Institut für Sportwissenschaft der Leibniz Universität Hannover habe ich seit September 2012 einiges erreicht. Dort war ich z.B. beteiligt an der Neuerfindung von Dialogen zwischen Fans und Verein beim 1. FC Köln und war mit dabei, entsprechende Projekte bei Werder Bremen und Hannover 96 anzuschieben. Borussia Dortmund beriet ich zu Rechtsextremismus und Antidiskriminierung. Besonders hervor sticht nach meinem Gefühl die Fachtagung „Fankulturen – ein polizeiinterner Dialog“ zur Förderung einer Reflexionskultur, in Kooperation mit dem DFB und der Kampagne „Gemeinsam fair – für eine friedliche Fankultur“ des Niedersächsischen Innenministeriums im Mai 2014 in Lüchow. Viele Essays sind entstanden und demnächst kommen wieder zwei Bücher – eines zu Antidiskriminierung und ein weiteres zum 70. Geburtstag von Gunter A. Pilz.
Insbesondere bin ich dem KoFaS-Team sehr dankbar für die offene Atmosphäre und die Zusammenarbeit, die glücklicher Weise auch wichtige Freundschaften hinterlässt.

Hinter mir liegen 20 Jahre Aktivismus und Wissenschaft. 20 Jahre wunderbare wie streitbare Menschen und Erinnerungen, die ich nicht missen will. 20 Jahre kreative, politische, aber eben auch stets prekäre Arbeit – ohne jegliche Sicherheiten, mit vielen Aufopferungen. Nicht nur deshalb passt ein inhaltlicher Wechsel bei mir ganz gut.

Ich habe viel nachgedacht, abgewogen, mit meinen mir Liebsten und ganz allein mit mir. Nun wechsele ich zum 6. Oktober 2014 als Corporate Social Responsibility Programme Manager (for Equality and Anti-Discrimination) zum Weltfußballverband FIFA nach Zürich.

Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht jemand bin, der nun inhaltsleer von „neuen Herausforderungen“ oder „hoher Motivation“ schwafeln mag. Wenn im Auswahlverfahren um den neuen Job bei mir das Gefühl aufgekommen wäre, ich könnte dort nichts für Antidiskriminierung im Fußball erreichen, ginge ich nicht nach Zürich. Und schon gar nicht ginge ich, wenn meine Freunde als wichtiges Korrektiv in meinem Herzen nicht mitkämen.

Das bedeutet, dass ich hierzulande von der Bildfläche verschwinden werde, was Vorträge, Workshops, Podiumsdiskussionen, Interviewauftritte angeht. Mein neuer Arbeitsbereich ist weltweit und demnach länderübergreifend, dafür also zu weit gefasst.
Ich werde weiter den ein oder anderen Essay schreiben, nicht immer aber über den Fußball und seine Zuschauer*innenkulturen. Vermutlich werde ich gonzo-literarisch weitermachen und in meiner Freizeit auftreten, wenn ich in Zürich erst einmal wieder etwas Land sehe – mal sehen. Vielleicht bin ich ja auch früher oder später wieder zurück in Berlin – wer weiß.

Vielen Dank für den bisherigen Austausch in all den Jahren, die Zusammenarbeit, das gemeinsam erreichte. Jetzt freue ich mich auf diesen, auch irgendwie ethnografischen Selbstversuch, die dicken Bretter und die Möglichkeiten, die da kommen – und auf das Blind Date mit Zürich. Ich freue mich auf weitere gemeinsame Treffen und Zusammenarbeit und den hoffentlich anhaltenden Kontakt.

Bei KoFaS wurden meine Aufgaben gewissenhaft verteilt. Dafür stehen nun Jonas Gabler (jonas.gabler@sportwiss-uni-hannover.de), Robert Claus (robert.claus@sportwiss-uni-hannover.de) und Franciska Wölki-Schumacher (franciska.woelki-schumacher@sportwiss-uni-hannover.de).

In jedem Fall bin ich weiter unter gerd.dembowski@gmail.com oder fefczak@web.de zu erreichen, per Facebook und vermutlich auch unter 0176-47755234. Bitte meldet euch, auch wenn es Fragen und Anmerkungen zu diesem Schritt gibt.

Unabhängig von allem: Seit einem Tag in Zürich. Zürich ist ein Traum.

Alles Gute,
in kritischer Solidarität,
Gerd Dembowski