Ich mach’s wieder: Internationale Lesereise 2016

Ich mach’s wieder: Internationale Lesereise 2016

Zuerst am 20. Mai 2016 (19 Uhr) im Karl der Grosse in Zürich: zweite Runde Pop Quartett mit Jennifer Jans, Mathias Möller und Pascal Claude. Dann:

Kleine Gerüche von Freiheit – Auf Straßen und Zügen entlang des Mississippi River
Eine Gonzo-Lesung & etwas Riot Folk von Gerd Dembowski

Supporting CAPTAIN CHAOS (aka Chris Clavin/Ghost Mice/Plan it X) from Bloomington, IN

JUNI 2016
03 HANNOVER @ Pressure & Ink
04 DUISBURG @ Djäzz
05 MÜNCHEN @ Kafe Kult
06 WINTERTHUR @ Portier
25 GLASGOW @ ???
26 LEEDS @ Wharf Chambers
27 BRIGHTON @ Coachwerks
30 WINTERTHUR @ Güterschuppen Bahnhof Töss (Fussball vs. Countrymusik, ohne Cpt. Chaos)

SEPTEMBER 2016
Nürnberg – Ludwigsburg – Tübingen – Innsbruck – St. Gallen
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INFO (DE):
Entwaffnende Kurzgeschichten über das Springen auf Frachtzüge, um einen Besuch beim FBI, eine Geisterstadt in Illinois – und immer mit 100 Sachen falschrum durch die Einbahnstrasse. Mehr als nur eine Lesung, Antitainment vom Feinsten. Infame Verleumdungen und herzvolle Liebeserklärungen – ein literarischer Drahtseilakt zwischen Realität und Realitätssteigerung, zwischen Trotz und Verzweiflung.

Gerd Dembowski, ist ein Neu-Zürcher Neuköllner Fan-Soziologe aus dem Ruhrgebiet, bekannt geworden durch Ausstellungen wie „Tatort Stadion“ des Bündnisses Aktiver Fußballfans (BAFF) und Kurzgeschichten aus seinem Buch „Fußball vs. Countrymusik. Er erzählt über seine Streifzüge durch Midwest USA. An solchen berüchtigten Abenden puzzelt er seine Texte und in ein liebevolles Chaos aus Kinderinstrumenten und eigenem Riot-Folk-Gesang. Durch den Raum geisternd wird er dabei zu seinen Reisen. Erscheinen Sie zahlreich, am besten manisch.

Dembowski bloggt noch immer nicht, schreibt aber selten für den „Drecksack“ oder „Transparent“. Grundlage des Abends sind deutschsprachige Versionen aus seiner Veröffentlichung „A Tiny Taste of Freedom“, dass Secret Sailor aus Indiana soeben wiederveröffentlicht hat. Sein Lit(eratur)Zine „Ground Scores“und sein Hörbuch verschenkt oder verkauft er nur bei seinen raren Lesungen.

INFO (EN):
Gerd Dembowski, reads from his book “A Tiny Taste of Freedom” (Secret Sailor) between Highways and train tracks, Gonzo Spoken Word & some Riot Folk. The Big Dembowski from Zurich is a renowned fan researcher. But he prefers to read and sing his short stories about travelling through Midwest USA. He puzzles text pieces, lyrics by his friends of the DIY-Label Plan-it-X while he is winding up some toys on his table.

This is about a ghost town in Illinois, about visiting the FBI and trying to stop an aeroplane on his way to Amsterdam. Enjoy a disarming time of gonzo and chaos between despair and defiance.

- Stories from “A Tiny Taste of Freedom“, read by Chris Clavin in episode 15 of his podcast “Free Pizza for Life” can be found here: href=”http://www.plan-it-x.com/podcasts.html.

- A Tiny Taste of Freedom can be ordered via PLAN-IT-X.com.

das neue buch: “RÜCKKEHR ZUM TATORT STADION” ist da! und einiges mehr…

das neue buch: “RÜCKKEHR ZUM TATORT STADION” ist da! und einiges mehr…

zusammen mit meinen lieben freunden endi endemann, robert claus und jonas gabler arbeitete ich viel zu lange am buch “rückkehr zu tatort stadion” herum. jetzt ist es endlich im verlag die werkstatt erschienen:

RÜCKKEHR ZUM TATORT STADION. DISKRIMINIERUNG UND ANTIDISKRIMINIERUNG IN FUSSBALL-FANKULTUREN.

mitgewirkt haben u.a. auch ronny blaschke, heidi thaler, kai tippmann, pablo thiam, lilian thuram und dr. theo zwanziger.

dann hab ich noch mit der kofas-bande einen band herausgegeben, der das lebenswerk von gunter a. pilz würdigt:

FÜR RESPEKT IM SPORT. GUNTER A. PILZ ZWISCHEN GRAUGÄNSEN, STREITHÄHNEN UND ZAUNKÖNIGEN.

im Kapitel “graugänse” geht es um gunters arbeiten zur aggressionsforschung, unterlegt mit einem gastartikel des geschätzten kollegen prof. titus simon.

in “streithähne” geht es um konflikt- und gewaltforschung, unterlegt mit einem essay von prof. benno hafeneger.
und in “zaunkönige” geht es schließlich um fanforschung. ältere, auf beachtliche art wegweisende artikel von bunter, unterlegt mit einem text von andreas klose.

unverhofft kommt dann doch manchmal. zwei termine habe ich dann doch noch, ganz privat:

28.05.2015: ZÜRICH @ bar rossi, tiny taste of freedom (riot folk lesung), support für ANDREW JACKSON JIHAD
20.06.2015: AARAU @ 1. antira-cup, tatort-buchpräsentation (15 uhr, schachem)

hier mein letztes interview online:

fußball. gesellschaft. antidiskriminierung – INTERVIEW mit GERD DEMBOWSKI bei FABRIKA TV

bin mal weg

bin mal weg

Liebe Kolleg*innen, Wegbegleiter*innen und auf Wegen Begleitete, Freund*innen,

wie viele unter euch bereits wissen: plötzlich ändert sich etwas bei mir. Vermutlich lässt sich vieles in den nachfolgenden Zeilen aber noch gar nicht so genau ausdrücken…

Mit der Kompetenzgruppe Fankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit (KoFaS) am Institut für Sportwissenschaft der Leibniz Universität Hannover habe ich seit September 2012 einiges erreicht. Dort war ich z.B. beteiligt an der Neuerfindung von Dialogen zwischen Fans und Verein beim 1. FC Köln und war mit dabei, entsprechende Projekte bei Werder Bremen und Hannover 96 anzuschieben. Borussia Dortmund beriet ich zu Rechtsextremismus und Antidiskriminierung. Besonders hervor sticht nach meinem Gefühl die Fachtagung „Fankulturen – ein polizeiinterner Dialog“ zur Förderung einer Reflexionskultur, in Kooperation mit dem DFB und der Kampagne „Gemeinsam fair – für eine friedliche Fankultur“ des Niedersächsischen Innenministeriums im Mai 2014 in Lüchow. Viele Essays sind entstanden und demnächst kommen wieder zwei Bücher – eines zu Antidiskriminierung und ein weiteres zum 70. Geburtstag von Gunter A. Pilz.
Insbesondere bin ich dem KoFaS-Team sehr dankbar für die offene Atmosphäre und die Zusammenarbeit, die glücklicher Weise auch wichtige Freundschaften hinterlässt.

Hinter mir liegen 20 Jahre Aktivismus und Wissenschaft. 20 Jahre wunderbare wie streitbare Menschen und Erinnerungen, die ich nicht missen will. 20 Jahre kreative, politische, aber eben auch stets prekäre Arbeit – ohne jegliche Sicherheiten, mit vielen Aufopferungen. Nicht nur deshalb passt ein inhaltlicher Wechsel bei mir ganz gut.

Ich habe viel nachgedacht, abgewogen, mit meinen mir Liebsten und ganz allein mit mir. Nun wechsele ich zum 6. Oktober 2014 als Corporate Social Responsibility Programme Manager (for Equality and Anti-Discrimination) zum Weltfußballverband FIFA nach Zürich.

Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht jemand bin, der nun inhaltsleer von „neuen Herausforderungen“ oder „hoher Motivation“ schwafeln mag. Wenn im Auswahlverfahren um den neuen Job bei mir das Gefühl aufgekommen wäre, ich könnte dort nichts für Antidiskriminierung im Fußball erreichen, ginge ich nicht nach Zürich. Und schon gar nicht ginge ich, wenn meine Freunde als wichtiges Korrektiv in meinem Herzen nicht mitkämen.

Das bedeutet, dass ich hierzulande von der Bildfläche verschwinden werde, was Vorträge, Workshops, Podiumsdiskussionen, Interviewauftritte angeht. Mein neuer Arbeitsbereich ist weltweit und demnach länderübergreifend, dafür also zu weit gefasst.
Ich werde weiter den ein oder anderen Essay schreiben, nicht immer aber über den Fußball und seine Zuschauer*innenkulturen. Vermutlich werde ich gonzo-literarisch weitermachen und in meiner Freizeit auftreten, wenn ich in Zürich erst einmal wieder etwas Land sehe – mal sehen. Vielleicht bin ich ja auch früher oder später wieder zurück in Berlin – wer weiß.

Vielen Dank für den bisherigen Austausch in all den Jahren, die Zusammenarbeit, das gemeinsam erreichte. Jetzt freue ich mich auf diesen, auch irgendwie ethnografischen Selbstversuch, die dicken Bretter und die Möglichkeiten, die da kommen – und auf das Blind Date mit Zürich. Ich freue mich auf weitere gemeinsame Treffen und Zusammenarbeit und den hoffentlich anhaltenden Kontakt.

Bei KoFaS wurden meine Aufgaben gewissenhaft verteilt. Dafür stehen nun Jonas Gabler (jonas.gabler@sportwiss-uni-hannover.de), Robert Claus (robert.claus@sportwiss-uni-hannover.de) und Franciska Wölki-Schumacher (franciska.woelki-schumacher@sportwiss-uni-hannover.de).

In jedem Fall bin ich weiter unter gerd.dembowski@gmail.com oder fefczak@web.de zu erreichen, per Facebook und vermutlich auch unter 0176-47755234. Bitte meldet euch, auch wenn es Fragen und Anmerkungen zu diesem Schritt gibt.

Unabhängig von allem: Seit einem Tag in Zürich. Zürich ist ein Traum.

Alles Gute,
in kritischer Solidarität,
Gerd Dembowski

neue veröffentlichungen

neue veröffentlichungen

2015: “rückkehr zum tatort stadion. diskirminierung und antidiskriminierung in fußball-fankulturen. verlag die werkstatt. hrsg. mit martin endemann, robert claus, jonas gabler
>br> “für respekt im sport! gunter a. zilz zwischen graugänsen, streithähnen und zaunkönigen. arete verlag. hrsg. mit franciska wölki-schumacher, robert claus, jonas gabler, daniel kirchhammer.

2014: im secret sailor verlag erschien in indiana mein englischsprachiges kurzgeschichtenbuch “a tiny taste of freedom”, dass ich im Juni 2014 in spencer/indiana beim plan-it-x-festival vorstellen durfte. es war eine grosse freude, die bühne u.a. mit den meinen freunden von ghost mice, defiance_ohio, andres jackson jihad, ramshackle glory, max Levine ensemble zu teilen. kapitel zwei schrieb ATOMIC LILY. zusammen mit GABRIEL KUHN übersetze sie auch mit. grossen dank an die beiden und CHRIS CLAVIN.

2014:sehr freute ich mich über meinen ersten gemeinsamen text mit meinem lieben freund und KoFaS-kollegen JONAS GABLER. er fasst das erste jahr unserer erfindung der konfliktschlichtung im umfeld des 1. fc köln zusammen und heißt:
auf der suche nach einem kommunikativen dazwischen. schritte zur neuerfindung von dialogformen zwischen organisierten fangruppen und ihrem bezugsverein am beispiel des 1. fc köln“.
dazu gab es meine sozialhistorische aufarbeitung “auf dem weg zur offenheit. initiativen gegen homophobie im deutschen fußball“.
beide texte sind im band 2 unserer KoFaS (arete verlag) erschienen, hrsg. von detlef kuhlmann, dem aufbaubeauftragten der KoFaS: “sport, soziale arbeit und fankulturen. positionen und projekte” (hildesheim 2014).

eine kritische aufarbeitung zum sozialhistorischen verhältnis von fanprojekten und “akzeptierender jugendarbeit” sowie die genese der fanprojekte bis heute im spiegel dessen verfasste ich für das buch:
“verantwortlich handeln: praxis der sozialen arbeit mit rechtsextrem orientierten und gefährdeten jugendlichen” (hrsg. von silke baer, kurt möller und meinem alten bekannten peer wiechmann im verlag barbara budrich, berlin/opladen/toronto 2014). er heißt:
‘unsere jungs’!? – zur geschichte von fanprojekten im kontext rechtsextremer jugendkulturaffiner fußballfans“.

und von alledem nicht genug: endlich erschien das buch “fußball ohne abseits. ergebnisse und perspektiven des projekts ‘soziale integration von mädchen durch fußball’, hrsg. von meinen kollegen ulf geben und söhnke vosgerau. dort gibt es meinen essay
zwischen gemeinschaft und gegnerschaft. anmerkungen zum potential des fußballs für soziale inklusion” (springer vs, wiesbaden 2014).

das bonbon dazu: GABRIEL KUHN und vermeldete, dass sein “soccer vs. the state. tackling football and radical politics” (bei pm press, oakland 2011) mit meinen drei texten drin auf japanisch erschienen sei. das heißt, es gibt die erinnerungen an den schiedsrichter john blankenstein, die geschichte um die wm-elf aus nordkorea von 1966 und mein interview zum leben in verzweiflung und trotz nun auf japanisch!

zwischen den jahren…

zwischen den jahren…

noch ein wenig infos in eigener sache: kurz vor jahresende erschien im werkstatt-verlag das sehr zu empfehlende buch “vom konflikt zur konkurrenz. deutsch-polnisch-ukrainische fußballgeschichte“, herausgegeben von meinen geschätzten kollegen DIETHELM BLECKING und LORENZ PEIFFER sowie von ROBERT TRABA. mit dabei ist mein text “organisierte fankulturen in deutschland zwischen potentialen und Konflikten“.

zuvor erschien in heft 5 der zeitschrift JUGENDHILFE mein text “fragile verhältnisse in den organisierten fanszenen – diskriminierung und neonazismus im zeitalter der gentrifizierung des deutschen fußballs“. thema von heft 5 ist der umgang der jugendhilfe mit jugendlichem rechtsextremismus und gewalt. als autoren sind u.a. auch christoph butterwegge, benno hafeneger & christian pfeifer mit dabei .

gleich zu jahresbeginn geht es gut weiter: am 16.1.2014 zum podium “rassismus im fußball” an die macromedia hochschule für medien und kommunikation stuttgart ( zus. mit ronny blaschke und gül keskinler). am 18.1.2014 fankongress in berlin und vorher unter dem motto “für lebendige gedenkkultur – gegen diskriminierung” noch vorträge und workshops anlässlich des 10. erinnerungstages im Fußball (10.-12.1.2013). zu beiden veranstaltungen werde ich an panels teilnehmen. am 24.1. dann an die uni in duisburg und am gleichen tag zu einem live-gespräch ins kölner funkhaus.
ALLE TERMINE HIER!

in 2014 sind mehrere veröffentlichungen geplant. besonders freue ich mich über meinen ersten englischsprachigen kurzgeschichtenband, der im juni bei plan-it-x in bloomington, indiana erscheinen wird.

don’t be a schmock!

Erläuterungen zu meinem Interview im ZDF-Morgenmagazin am 12.11.2013

Erläuterungen zu meinem Interview im ZDF-Morgenmagazin am 12.11.2013

Ich bedaure, dass meine Aussagen im ZDF-Morgenmagazin zu Irritationen bzw. Missverständnissen geführt haben. Es war und ist nicht in meinem Interesse, Braunschweig als Fußball- und Fanstandort zu diskreditieren. In meinem Beispiel zum Nahebringen gegenwärtiger wissenschaftlicher Erkenntnisse war es in dieser Hinsicht unvorsichtig und auch unnötig, Braunschweig als Beispiel für derzeit grundlegende Forschungserkenntnisse herauszustellen. Mir ist allerdings auch Dank einiger kritischer Reaktionen bewusst geworden, dass die wissenschaftliche Grundlage meiner Einschätzungen im Rahmen eines kurzen TV-Interview-Beitrages nur verkürzt dargestellt werden kann, was zu den Irritationen beigetragen haben dürfte.

Zunächst ist es wichtig, dass ZDF-Interview in Gänze einzubeziehen, wenn es um die Beurteilung einer einzelnen Aussage darin geht. Gleich zu Beginn sage ich, dass ich im Hinblick auf Menschen im Stadion befinde: „Es gibt keine Unterwanderung in dem Sinne“ – und dass es sich um ein „Gemisch“ von Menschen handelt. Das ist entscheidend, um die weiteren Ausführungen des Interviews einzuordnen. In diesem Zusammenhang ist es mir außerordentlich wichtig, dass ich danach – und auch im Kontext Braunschweig – deutlich sage, dass es sich hier NICHT um Neonazis handelt.

Im Interview mit dem ZDF-Morgenmagazin spreche ich von sog. „alten Werten“ im Hinblick auf Fanszenen. Diese erläutere ich weiter und erwähne z.B. althergebrachte Männlichkeit und einige ihrer z.T. fanszenetypischen Ausprägungen. Wenn ich hier von einer solchen Männlichkeit rede, stütze ich mich insbesondere auf das Konzept der hegemonialen Männlichkeit von Robert W. Connell. Was fanszenetypische Ausprägungen angeht, stütze ich mich auf die gängige Fachliteratur zu Fan- bzw. Zuschauerkulturen sowie meine eigene Forschung.
Im Kontext „alter Werte“ nenne ich weitere Beispiele, beispielsweise „Überlegenheitsdenken“, „soldatisches Kämpferideal“ und „Körperfokussierung“. Wäre mehr Zeit gewesen, hätte ich z.B. noch eine auf unterschiedlichen Niveaus stattfindende, aggressive Auslegung der sozialen Konstruktion „Wir“ – „Die Anderen“ erwähnt, ebenso wie territoriumsorientierte Fokussierungen, Autoritarismus, Antiintellektualismus und „Resistance Identity“ (John M. Hagedorn).

Nicht nur auf diese Aussagen im o.g. Interview und die dahinter stehende wissenschaftliche Forschung beziehe ich mich, sondern insbesondere auf die „Ideologie der Ungleichwertigkeit“ und die dazu gehörigen Syndrome Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GMF) nach Prof. Wilhelm Heitmeyer und seinem Team vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) an der Universität Bielefeld. Das IKG weist in seiner zehnjährigen, hoch anerkannten, quantitativen Studie nach, inwiefern GMF sich in weiten Teilen der Bevölkerung festsetzt. Diese Forschung ist eine Grundlage für meine wissenschaftliche Einschätzung – auch in Bezug auf die von mir als grobe Schätzung intendierte Zahl von 3000 Personen.

Wenn ich also im Interview deutlich sage, es handelt sich bei der genannten Masse NICHT um Neonazis, sondern um Leute, „die auch Partikel haben von einem solchen Denken“, dann beziehe ich mich auf die von mir angeführten „alten Werte“, auf den Begriff der GMF des IKG, zusätzlich auf die – populärwissenschaftlich betrachtet – in vergleichbare Richtungen weisenden Arbeiten von Prof. Dr. Elmar Brähler, Dr. Oliver Decker, Prof. Dr. Richard Stöß, des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS) sowie u.a. auch von Prof. Dr. Albert Scherr, Prof. Dr. Paul Mecheril, Prof. Dr. Maureen Maisha Eggers und Dr. Mark Terkessidis.
Ich rede hier von Einstellungspartikeln in vielen Menschen, die in bestimmter Konsistenz an bestimmten Orten, z.B. auch im Fußball, temporär und situativ handlungsleitend werden können. Und das sind dann, wie ich eben auch sagte, keine Neonazis – auch wenn hier und da einzelne Neonazis und ihre Sympathisierenden beteiligt sind bzw. sein können.

Ich meine also Einstellungspartikel, die allerdings Neonazis in solchen situativen und temporären Sachlagen die Möglichkeit zur Anschlussfähigkeit bietet.
Den Ort Fanszene sehe ich hier als einen ständigen Kontakthof zur Aushandlung und zum situativen Patchworking solcher Einstellungspartikel, die sich im Hinblick auf bestimmte Ereignisse oder Gruppen eben auffällig auswirken können.

Nach meinen derzeitigen Erkenntnissen wurde am Standort Braunschweig indirekt auch auf die Präsenz solcher – nicht allein in und um Braunschweig vorhandenen – Phänomene z.B. durch die Gruppe Ultras Braunschweig 01 (UB01) hingewiesen. Dies wurde von vielen anderen Fans offenbar als Provokation empfunden und trug bei einigen wenigen letztlich zu Bedrohungen und einer gewaltförmigen Eskalation des Konfliktes in Mönchengladbach bei.
Bei allen Fehlern, die ich im vergangenen Verhalten bei UB01 durchaus erkenne, und die im Hintergrund den Konflikt mitgeprägt haben, vertrete ich die Ansicht, dass bei diesem Vorgang die Position der UB01 als Benenner des Einflusses solcher Einstellungspartikel in der Braunschweiger Fanszene und die Ablehnung dieses Vorgehens eine zentrale Rolle gespielt hat. Da genau diese Aushandlung von Einstellungspartikeln im Zusammenhang mit Drohkulissen und tätlichen Angriffen das Thema des ZDF-Interviews war, habe ich darauf Bezug genommen, wobei bei die möglichen parallelen Konfliktlinien zwischen UB01 und anderen Teilen der Fanszene im Interview unberücksichtigt gelassen wurden.
Wenn ich dann im Interview sage, es sei „einfacher“ gewesen, eine kleine Gruppe als solche auszuschließen, dann nachvollziehe ich insofern aus sicherheitspolitischer Sicht auch den Schritt des Vereins, den UB01 ein Auftrittsverbot zu erteilen.

Ich möchte noch einmal deutlich unterstreichen: Ich redete im Kontext solcher Aushandlungen von „PARTIKELN“, und möchte darum an dieser Stelle auf die Bedeutung dieses Wortes hinweisen: „Partikel“ meint Teilchen, kleine Teilchen, wie es der Duden sagt. Es ließe sich auch das Wort Spurenelemente verwenden. Ich bin überzeugt davon, dass es unglücklich war, im Kontext Braunschweig diesbezüglich eine Zahl zu nennen, bewege mich dabei aber wissenschaftlich auf sicherem Boden, wenn man z.B. die Ergebnisse der Forschung zu GMF betrachtet.

Partikel, also minimale Teilchen von Einstellungsmustern, die im extremen Falle am Ende bei einigen sehr wenigen Menschen ideologisch oder jugend(sub)kulturell in Neonazismus kulminieren können, trage ich, dem ZDF-Interview und meinen o.g. Erläuterungen folgend, auch selbst in mir. Als jemand, der als weißer, deutscher Mann gilt, weiß ich aufgrund meiner Sozialisation in dieser Gesellschaft, wie Rassismus oder z.B. auch Sexismus in der Praxis „gehen“. Ich trage also ein Wissensarchiv von Diskriminierung in mir, spreche mich nicht davon frei.
So gesehen beginnt der Kampf gegen Diskriminierung und Neonazismus mit dem Kampf gegen die Vorurteile im eigenen Kopf. Es geht mir persönlich darum, Lebenswelten von Menschen nicht nach „rechts“ oder „links“ einzuteilen, sondern die Grauzone dazwischen in vielen, auch in mir selbst zu reflektieren und zu bearbeiten, um dazu beizutragen, dass eine Gesellschaft und eben eine Stadionatmosphäre entstehen kann, in der man ohne Angst verschieden sein kann.
Diese persönliche Selbstbezichtigung dient der Klärung meiner Aussagen im ZDF-Morgenmagazin und – das hoffe ich inständig – der Versöhnung hinsichtlich empfundener Irritationen und Missverständnisse.

Ich kenne die positiven, antidiskriminierenden Aktionen in und um die Braunschweiger Fanszene sowie im Verein Eintracht Braunschweig und auch im Kontext des Braunschweiger Fanprojekts. Ich freue mich, dass große Teile sich hier engagieren. Das ist weiterhin ein zu fördernder Aspekt. Auch aus meiner persönlichen Teilnahme an einem freundlichen und gegenseitig informierenden Gespräch u.a. mit Vereinsvertreter*innen von Eintracht Braunschweig im Oktober 2013 sehe ich positiv in die Zukunft, was die Entwicklung des Themenbereichs Antidiskriminierung und die solidarische Unterstützung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes in seiner gelebten Praxis auch im Fußball angeht.

Und außerdem wünsche ich mir, dass Medienvertretungen häufiger einladen, wenn es um die positiven Elemente und Errungenschaften von Fankulturen – eben auch in Braunschweig – geht.

Ich würde mich dementsprechend freuen, zusammen mit meinem KoFaS-Kollegen Jonas Gabler einen Input auf o.g. Basis mit anschließender Diskussion zu Chancen und möglichen Grenzen der Antidiskriminierungsarbeit im Fußball in einem breiten Fankontext in Braunschweig anbieten zu können. Wir kommen gern nach Braunschweig, stellen uns den Fragen und formulieren selbst welche, um gemeinsam mit den Freundinnen und Freunden von Eintracht Braunschweig, mit den Vereinsvertreter*innen auf solidarischem Wege nachhaltige Antworten zu probieren.

In diesem Sinne,

Gerd Dembowski

Berlin, 17.11.2013

herbstgeflüster

herbstgeflüster

mein job in der kompetenzgruppe fankulturen & sport bezogene soziale arbeit (KoFaS) hält mich ganz schön auf trab – es ist großartig im team mit jonas gabler, gunter a. pilz, franciska wölki-schumacher, detlef kuhlmann, olaf zajonc und daniel kirchhammer spielen zu dürfen.
daraus resultieren auch neue vorträge, workshops, etc, wie hier zu sehen ist: TERMINE herbst 2013.

empfehlen möchte ich meinen neuen text organisierte fanszenen: zwischen empfundener enteignung und self-empowerment und meinen text zum 20jährigen jubiläum der koordinationsstelle fanprojekte (kos) im transparent. magazin für fußball & fankultur (nr. 6).

es gibt übrigens einen nachdruck von “fußball vs. countrymusik” im papyrossa verlag” – deshalb ist das ding jetzt wieder im buchhandel zu haben. ich bereite auch einen bereich vor, in dem einige interviews mit mir, buchessays und mein hörbuch downloadbar sind. wer vorher schon was will, kann sich von mir in meinem downloadbereich bei dropbox freischalten lassen. einfach email an mich schicken.
ansonsten schreibe ich gerade das nachwort zu florian günthers” neuem gedichtband – das freut mich sehr sehr sehr.
florian ist auch der drecksack“, für den ich jetzt manchmal schreibe, z.b. “in der falle in cairo” auf der titelseite der juliausgabe.

neulich war ich bei pöhler tv Gerd bei Pöhler TV
ach, und schon was länger her, aber gerade erst gefunden: fußball vs. riot folk in aachen

und jetzt freu ich mich auf john darnielle von den mountain goats im oktober – ein licht in diesem herbst. was bleibt da noch zu sagen…

frühjahrsturbulenzen

frühjahrsturbulenzen

das neue jahr startet für mich u.a. mit zahlreichen vorträgen – zu sehen in der rubrik TERMINE 2013

zahlreiche aktuelle statements und interviews von mir finden sich hier:

gerd dembowskis kofas-profil

deutsche welle tv strahlte in ihrem format “talking german“/”typisch deutsch” im januar zwei fast dreiviertelstündige untypisch deutsche portraits von mir aus. es geht um fankulturen, veganismus und countrymusik:

43 min. portrait von gerd dembowski bei “typisch deutsch” (2013)

die englische version unterscheidet sich dabei auch inhaltlich von der deutschen und ist fast sehenswerter, als die deutsche fassung:

english version of a 42-min.-portrait feature on gerd dembowski at deutsche welle’s tv show “talking german” (2013)

der moderator peter craven leitet die englische version mit einem liebevollen blog ein:

peter craven’s blog on gerd dembowski in “talking german”

zu den meisten meiner vorträge/workshops gibt es unter THEMEN ALS REFERENT nun inhaltliche ankündigungstexte.

soeben erschienen ist mein beitrag ein leitbild erfinden. zur identitätsbildung bei ultras als fußballfangruppierungen zwischen kultur und kommerz im sammelband „sozialpsychologie des kapitalismus – heute. zur aktualität peter brückners“, (hrsg. v. klaus-jürgen bruder, christoph bialluch und benjamin lemke bei psychosozial verlag) – als ergebnis des inhaltlich hervorragenden brückner-kongresses 2012 der neuen gesellschaft für psychologie (ngfp).
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mein einleitender beitrag “zwischen gemeinschaft und gegnerschaft. anmerkungen zum potential des fußballs für soziale inklusion” erscheint demnächst im sammelband fußball ohne abseits. ergebnisse und perspektiven des projekts ‘soziale integration von mädchen durch fußball’ (hrsg. v. Ulf Gebken & Söhnke Vosgerau bei springer vs).

aktivitäten im herbst

aktivitäten im herbst

seit september bin ich offiziell teil der KOMPETENZGRUPPE FANKULTUREN UND SPORT BEZOGENE SOZIALE ARBEIT (KoFaS) am institut für sportwissenschaft an der leibniz universität hannover (KoFaS). dort praktiziere ich zusammen mit prof. gunter a. pilz, prof. detlef kuhlmann, jonas gabler, olaf zajonc, daniel kirchhammer und franciska wölki-schumacher forschung & entwicklung, beratung & Expertise sowie lehre & qualifizierung – ab sommersemester 2013 auch mit einem seminarangebot.

neue veanstaltungstermine zu unterschiedlcihen themen für den herbst gibt es unter: TERMINE.

derzeit arbeite ich nicht nur an der fertigstellung meiner doktorarbeit, sondern auch an essays zu “sozialer inklusion im Fußball” für ein buch im VS verlag, zur entwicklung der deutschen fankulturen für einen sammelband von prof. diethelm blecking & prof. lorenz peiffer im werkstatt verlag sowie einer kleinen geschichte der deutschen fankulturen für die bundeszentrale für politische Bildung.

sommertermine…

sommertermine…

gibt es doch noch einige:

am 3. mai spreche ich zu rassismus und nationalismus im fußball in der volkshochschule/solingen und am 4. mai früh bei einem kongress der kreuzberger initiative gegen antisemitismus und des zentrums für antisemitismusforschung der TU berlin in frankfurt a.m..

am 8. mai dann noch zusammen mit GABRIEL KUHN im subversiv/berlin-mitte zu “linke fußballfankultur – geht das?” (20 h).

am 4. juni diskutiere ich beim eröffnungspodium der ausstellung “tatort stadion 2″ in magdeburg/roncalli-haus (14 h), am 9. juni zusammen mit BRITTA LENZ in der galerie zero/berlin-mitte zu fußball als herrschaftsstabilisierendes element (16 h).
am 24. juni geht’s im festsaal kreuzberg um nationalismus und rassismus, am 29. juni an der deutschen sporthochschule köln zu identität und ultras.
am 9.7. kommentiere ich u.a. zusammen mit patrick gasser von der uefa um 9:30 uhr die konferenz “media, diversity & racism in sport” von media against racism in sport (mars) im rbb-gebäude. am 14.7. moderiere ich das podium zu “offensive behaviour” beim kongress von football supporters europe (FSE) in istanbul.

übersichtlicher in der rubrik: TERMINE 2012…